KI in der Personalentwicklung und wie Technologien das Talent Management revolutionieren. Michael Plentinger, Geschäftsführer von GREPLE im Interview mit vorrath associates (va).

va: Herr Plentinger, was sind die Grundlagen, um KI in die Personalentwicklung einzubinden?

Michael Plentinger: Der wichtigste Schritt ist Vertrauen und Akzeptanz für künstliche Intelligenz zu schaffen. Die Mitarbeiter sollten eine gewisse Experimentierfreudigkeit zeigen. Daten müssen digital zugänglich sein und zwar dann, wenn man diese gerade benötigt. Hierfür müssen gewisse Strukturen aufgebaut werden. Weiter müssen externe Daten, wie Social Media Profile untersucht werden. Aus diesen kombinierten Daten kann die KI schließlich verschiedene Ableitungen herstellen.

va: Wie findet künstliche Intelligenz besondere Talente im Unternehmen?

Michael Plentinger: In diesem Kontext werden sowohl interne Unternehmensdaten als auch externe Informationen aus Sozialen Netzwerken datenschutzkonform gesammelt. Die KI untersucht personenbezogene Kompetenzen, im Rahmen von Markt- und Wettbewerbsanalysen, welche für die zukünftige strategische Ausrichtung erforderlich sind.

Hierzu muss klar sein, aus was Kompetenzen bestehen. Sie setzen sich zusammen aus Soft und Hard Skills. Soft Skills basieren auf aggregierten Persönlichkeitsmerkmalen, wie Selbstvertrauen, sozialer Kompetenz, Teamfähigkeit und methodischer Kompetenz. Diese funktionieren branchenübergreifend, wohingegen Hard Skills berufstypische Qualifikationen sind. Hard Skills können aus Karrierewegen oder Leistungstests abgelesen werden. Soft Skills hingegen können aus der Sprache ausgelesen werden. Der Greple KI genügen weniger als 150 Worte, um unter Einsatz von Machine Learning und Psychological Language Processing ein valides Persönlichkeitsprofil nach Big5 und DISC sowie Rückschlüsse zu Reifegraden zu generieren. Dabei analysieren wir psychometrisch alle relevanten Facetten unserer Sprache wie Wortwahl, Semantik oder Sprachmuster als auch Syntax und Wortkontexte. Hieraus lassen sich schließlich Aussagen über Talente in Unternehmen treffen. Werden allerdings nicht die richtigen Fragen an die KI gestellt, so führt diese Methode dazu, dass die Ergebnisse sehr homogen sind. Deshalb ist der richtige Umgang mit der KI ein entscheidender Erfolgsfaktor.

va: Kann KI das GAP von vorhandenen zu benötigten Kompetenzen ausarbeiten und Lösungen anbieten?

Michael Plentinger: Ja, wir bezeichnen das als „KI Based Strategic Workforce Planning“. Die KI erkennt benötigte Kompetenzen und kann vorhandene anhand Soft und Hard Skills bestimmen. Diese werden schließlich verglichen und es kann das GAP identifiziert werden. Um diese Herausforderung zu lösen, gibt es schließlich zwei Möglichkeiten. Entweder es wird externes Know-how hinzugezogen oder die KI erkennt das weiterentwicklungspotential von Mitarbeitern. Hierfür erkennt die KI eine so genannte „ontologische Nähe“, also eine gemeinsame Basis zwischen den bestehenden und benötigten Kompetenzen, für verschiedene Positionen im Unternehmen. In vergangenen Projekten konnte unsere KI beispielsweise die Ähnlichkeit eines Call-Center Mitarbeiter und einem Scrum-Master herstellen und somit einige Mitarbeiter so sinnstiftend weiterentwickeln.

va: Wie groß ist die Hürde von KI im Bereich Personalentwicklung durch Datenschutz und rechtliche Vorgaben?

Michael Plentinger: Nicht selten gibt es bei neuen Technologien Befürworter, die vor allem den Sinn und Nutzen in KI sehen sowie Gegner, die eine Gefahr in der Nutzung von persönlichen Informationen befürchten.

Für den Einsatz von KI sind zwei Punkte sehr wesentlich. Zum einen der rechtlich einwandfreie Umgang mit anonymen Personendaten, zum anderen die Freiwilligkeit der teilnehmenden Personen. Grundsätzlich gilt aber in Unternehmen, das Thema Personalentwicklung in Verbindung mit KI bedarf immer der Zustimmung der Arbeitnehmervertretung und einer internen juristischen Prüfung des Einzelfalls. Darüber hinaus kann grundsätzlich alles was mit der Google Suche an öffentlich verfügbaren Informationen gefunden werden kann, auch verwendet werden. Wir lassen uns zudem in jedem individuellen Projekt juristisch beraten, um Datenschutzkonform mit Kundendaten zu arbeiten.

Über Michael Plentinger:
Michael Plentinger ist Gründer und Geschäftsführer von GREPLE, einem jungen Technologie/HR Startup, das sich mit künstlicher Intelligenz im Bereich Personalentwicklung, Recruiting und People Analytics beschäftigt.

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